Berlin Hardcore Fest 2012. Zum siebenten Mal in Folge versuchen wir ein repräsentatives Bild der Berliner Hardcore-Punk-Szene abzubilden und auch soziale Verantwortung zu übernehmen. Aus diesem Grunde unterstützen wir in jedem Jahr eine lokale Initiative.
In diesem Jahr gehen alle Einnahmen nach Abzug der Grundkosten, die durch verschiedene Sponsorings sehr gering gehalten werden, an Wildwasser Berlin – Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.V. Im besonderen wollen wir die vereinseigene Interkulturelle Wohngruppe DonyA unterstützen, die auch von den Mittelkürzungen der letzten Jahre stark betroffen ist. In dieser Wohngruppe leben Mädchen, die nicht mehr zu Hause wohnen können. Viele von ihnen haben Gewalt erlebt. Einige von ihnen verstehen sich mit ihren Eltern nicht mehr und brauchen die räumliche Trennung, damit sie mit Unterstützung die Beziehung zu ihren Familienangehörigen verbessern oder wiederherstellen können. In der Wohngruppe lernen die Mädchen, ihre Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen, sich in Konflikten gewaltfrei zu verhalten und gleichberechtigte und partnerschaftliche Beziehungen einzugehen.
Um hier einen möglichst großen Betrag an Mitteln zu sammeln, spielen die Bands alle ohne Gage.
Die Eröffnung des Hardcore-Festes machen Flyktpunkt. Bei ihnen sind die Verweise auf Bands wie Turbostaat, Escapado und Oma Hans kaum zu überhören. Auch die teils kryptischen Texte verweisen auf diese musikalischen Traditionen. Hier haben oft auch die sanften Töne ihr zu Hause.
Es folgen Die noch ziemlich neue Band Koller aus Kreuzberg sind sowas wie ein Vater-Sohn-Projekt von Robin Ritzheimer und seinem Vater Steve Hahn, der schon Gründungsmitglied von Jingo de Lunch war. Irgendwie sind sie aber auch mehr als das. Sie verbinden viele Musikstile der „alternativen“ Musikkultur. Sie berufen sich auf Bands wie Hüsker Dü, Hot Water Music, At the Drive-In, Dead Kennedys und Helmet. Daraus wird ein intelligenter Mix aus all diesen Referenzen, aber doch was ganz eigenes.
Danach entern die Afterlife Kids die Stage und führen durch ihre 1990er Emo-Violence-Welten mit persönlichen Texten und viel Performance. Cartharsis meets Converge meets Lebensreform!
All I’ve Got bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Old-School-Hardcore und Punkrock. Die Band besteht durchweg aus Mitgliedern von wohlverdienten Bands, die teilweise bereits in den 1990er Jahren ihre ersten Gehversuche machten. In der Presse liest man immer wieder Vergleiche mit frühen Veröffentlichungen von Bands wie Madball oder Agnostic Front aber immer mit einer ordentlichen Punkecke.
Die 2010 gegründeten Ghostwriter zelebrieren dann den modernen Hardcore der Post-1990er-Ära. Die melodischen und immer auch negativ-melancholischen Gitarren passen sich sehr gut in die Lyrik ein und ergeben ein mehr als stimmiges Gesamtkonzept.
Von negativ zu aggressiv ist dann der Übergang zu Reactory. Sie haben weder mit “Newschool”, noch mit “Metalcore” was am Hut. Es wird Thrashmetal gespielt, und zwar so, wie er im 21ten Jahrhundert immer noch sein muss: schnell, roh, brutal – genau so, wie es euch wohl auch im Cassiopeia erwarten wird. Headbanger nach vorne, bitteschön!
Der Stilwechsel erfolgt erneut. Arabesk, Hardcore, Metal und Hip Hop Beats – das alles spiegelt sich in den Songs von Devil Inside wider. So ähnlich wie die alte Fussgängerunterführung unter dem Görlitzer Park jetzt einem zubetonierten Bombenkrater gleicht – als Schmelztigel der Kulturen und Lebenseinstellungen. Ihr erstes öffentliches Konzert nach fast 10 Jahren!
„We stand for true music, true hardcore, true friendship. Keep yourself and the music real.“ Never Put Aside stehen für toughen aggressiven Hardcore der New York Schule und verbinden diese Elemente mit harten Breakdowns und schnellen metallischen Gitarren. Hardcore in your face!
Constellations spielen Metal-Core im positiven Sinne und nehmen dabei keine Gefangenen. Moshige Riffs wechseln sich ab mit messerscharfen Breakdowns und auch schwedentypische Melodien kommen dabei zum Einsatz. Für Freunde des modernen Metal mit Hardcore-Kante und Singalongs gibt es hier einiges zu entdecken.
Den Abschluss bilden From This Day On. Die fünf Berliner haben sich ihre eigene Nische im großen Hardcore-Punk-Universum geschaffen. Für ihre Kombination aus ruhig-melancholischen Melodien, die dann urplötzlich in brachiale Hardcore-Punk-Attacken ausbrechen, lässt sich so schnell keine Referenz finden. Nach zwei Demos, einer EP und dem ersten Album haben die Jungs scheinbar ihren ganz eigenen Weg gefunden.



